Forscher finden Erdrutsch im AtlantikFoto: IFM-GEOMAR Verteilung großer Hangrutschungen am nordwestafrikanischen Kontinentalhang (gelb) und auf den Flanken der Kanarischen Inseln (rot). In dem als kleinen Kasten markierten Gebiet entdeckten die Geowissenschaftler Spuren einer bisher unbekannten Hangrutschung mit gewaltigen Ausmaßen.
Deutsche Wissenschaftler haben im Meer vor den Kanarischen Inseln Spuren eines riesigen Erdrutsches entdeckt. Solche Unterwasser-Lawinen können Bohrinseln und Verbindungskabel zerstören, im schlimmsten Fall lösen sie Tsunamis aus.
Südlich der Kanarischen Inseln entdeckten die Wissenschaftler Hinweise auf eine bislang unbekannte Rutschung im Atlantik, die vermutlich vor rund 2000 Jahren passierte. Das berichtete das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-Geomar) am Donnerstag. Die Fläche des Erdrutsches ist fast halb so groß wie Deutschland.

Foto: IFM-GEOMAR Verteilung großer Hangrutschungen am nordwestafrikanischen Kontinentalhang (gelb) und auf den Flanken der Kanarischen Inseln (rot). In dem als kleinen Kasten markierten Gebiet entdeckten die Geowissenschaftler Spuren einer bisher unbekannten Hangrutschung mit gewaltigen Ausmaßen.
"Das ist, als ob in den Alpen Lawinen abgehen und bis Kiel rutschen", erklärte Expeditionsleiter Sebastian Krastel. Die Forscher hatten eigentlich eine bekannte und sehr viel ältere Erdbewegung untersuchen wollen, die sogenannte Sahara-Hangrutschung. Bisher vermuteten Wissenschaftler, dass sich dieser Erdrutsch dort vor rund 50.000 bis 60.000 Jahren abspielte, als der Meeresspiegel des Atlantiks deutlich anstieg.
Die nun entdeckte Rutschung habe sich aber in einer klimatisch relativ stabilen Zeit ereignet
"Wenn sich das bestätigt, müssen wir vielleicht das Risiko allgemein neu einschätzen", warnte Krastel. Unterwasser-Erdrutsche lösen im schlimmsten Fall verheerende Tsunamis aus. "Aber so weit muss man gar nicht gehen, auch unter Wasser richten sie genug Schaden an", sagte der Forscher. So seien Bohrinseln auf dem Meeresgrund verankert. Dort verlaufen zudem Pipelines sowie Telefon- und Datenkabel. Als 2008 ein Hang vor Sizilien ins Mittelmeer abrutschte, gab es in mehreren Ländern tagelang Internet-Ausfälle.
